Denkraum

Gedanken über Sprache, Haltung und Klarheit.

Kommunikation ist mehr als Technik. Sie ist Ausdruck unseres Denkens, unserer Haltung und unserer Erfahrung. Im Alltag begegnen uns immer wieder Situationen, in denen Worte klären, verbinden oder auch missverstanden werden können. Gespräche verlaufen anders als geplant, Argumente werden nicht verstanden, oder eine Entscheidung bleibt unklar.

Der Denkraum ist ein Ort für Gedanken über genau diese Erfahrungen. Hier geht es um Beobachtungen, Fragen und kleine Geschichten aus dem Alltag der Kommunikation. Schon 1993 formulierte ich für mich einen Satz, der mich bis heute begleitet: „Rhetorik ist mehr als nur eine Rede zu halten.“ Damals ahnte ich noch nicht, wie viel mehr sie ist – und wie sehr sie Denken, Haltung und Verantwortung verbindet.

Einladung
Wenn Sie Freude an klaren Gedanken und kleinen Beobachtungen über Sprache und Kommunikation haben, lade ich Sie ein, im Denkraum zu stöbern. Manche Texte sind kurz, andere ausführlicher – alle haben jedoch ein gemeinsames Ziel: Zum Nachdenken anzuregen.

Lebenserfahrung ist ein Vermögen, welches dir keiner nehmen kann

Schlagfertigkeit - das brauche ich nicht
Es gibt Situationen, in denen ein schneller Satz als Stärke gilt. Ein kurzer Konter, ein treffender Kommentar, eine Reaktion, die zeigt, dass man nicht sprachlos war. Schlagfertigkeit wird in solchen Momenten als Zeichen von Souveränität gelesen, als Beweis dafür, dass jemand die Situation im Griff hatte.

Ich frage mich, ob diese Deutung immer richtig ist.
Nicht, weil Schnelligkeit grundsätzlich falsch wäre, sondern weil sie oft mehr über Erwartungshaltungen aussagt als über innere Klarheit. In angespannten Gesprächen liegt der Kern selten im ersten Satz, der gesagt wird, sondern in dem, was unausgesprochen mitschwingt. In der Absicht hinter einer Bemerkung, in der Unsicherheit hinter einer Provokation oder im Wunsch, die eigene Position zu behaupten.

Wer sofort reagiert, reagiert oft schneller, als das eigene Denken nachkommt. Das Ergebnis kann treffend sein, manchmal auch witzig, doch nicht immer ist es das, was ein Gespräch weiterführt. Es beendet etwas, statt es zu klären.

Souveränität zeigt sich für mich weniger in Geschwindigkeit als in Richtung. Nicht darin, wie schnell jemand antwortet, sondern darin, wie bewusst. Manchmal liegt die stärkere Antwort nicht im Konter, sondern im Innehalten, im Nachfragen oder im bewussten Nicht-Sagen eines Gedankens, der zwar naheliegt, aber wenig trägt.

Ich habe immer wieder erlebt, dass Menschen als besonders klar wahrgenommen werden, wenn sie ruhig bleiben, wenn sie einen Gedanken erst sortieren und dann sprechen. Diese Form von Stärke ist leiser. Sie erzeugt keinen Applaus, aber sie schafft Verlässlichkeit. Und sie lässt Raum für ein Gespräch, das weitergehen darf.

Vielleicht lohnt es sich, Schlagfertigkeit nicht als Ziel zu betrachten, sondern als Nebenwirkung. Wenn Denken geordnet ist, wenn die eigene Haltung klar ist und wenn Verantwortung für Worte übernommen wird, verändert sich die Art zu sprechen von selbst. Dann wird Sprache weniger reaktiv und zugleich präziser.

Die entscheidende Frage ist dann nicht, ob eine Antwort schnell war, sondern ob sie das Gespräch vorangebracht hat. Nicht jeder ruhige Satz ist klug, aber viele kluge Sätze brauchen Ruhe.
o.g.



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07/02/2024

Was Spinat und Rhetorik gemeinsam haben

Was Spinat und Rhetorik gemeinsam haben!
Oder warum das WAS in der Rhetorik immer noch entscheidend sein sollte!

Wer denkt bei Spinat nicht an seine Kindheit? Und weil man dem Spinat über Jahrzehnte beharrlich einen hohen Eisenanteil nachsagte, war das Argument: „Iss Spinat, damit du groß und stark wirst!“ Unterstützt wurde alles von einer Comicfigur namens Popeye!

Was das mit Rhetorik zu tun hat? Nun, genauso verhält es sich mit dem 55-38-7 Mythos. So soll die Bedeutung einer gesprochenen Botschaft zu 55% durch Haltung, Mimik und Gestik, zu 38% durch Stimme und nur zu 7% durch den Inhalt transportiert werden.
Provokant formuliert: An sich ist der Inhalt nicht sonderlich wichtig, solange Ihre Performance passt! 

Doch Hand aufs Herz: Ist diese Regel wirklich logisch? Kommt es in Ihrem persönlichen Alltag (beruflich/privat), wirklich nicht (mehr) auf Inhalte, Hintergründe, Recherchen, Zahlen, Daten und Fakten an? Haben Aristoteles Ethos, Pathos und Logos ausgedient?

Zum Glück nicht!
Prof. Albert Mehrabian interessierte sich 1960 für die stillen Botschaften, die in Sätzen wie „Schön, Dich zu sehen!“ versteckt sind. Aus Erfahrung wissen wir, dass so ein Satz unter Umständen nicht wirklich ehrlich gemeint sein kann. Daher achten wir unbewusst auch auf die Körperhaltung, die Mimik und die Stimme, um die wahre Botschaft zu erkennen! Also, war das Gesagte auch wirklich ehrlich gemeint?

Tatsächlich ist das Experiment von Prof. Mehrabian nicht auf Präsentationen oder Gespräche umlegbar, weil der Fokus damals ein anderer war. Zentrum seiner Untersuchung war nur auf positiv, negativ oder neutral besetzte Wörter gerichtet – NICHT auf ganze Sätze und schon gleich gar nicht auf Vorträge oder Dialoge.

Und das alles wegen eines Irrtums
Der Mythos und der damit verbundene Irrtum vom extrem eisenreichen Spinat ist auf einen Druckfehler zurückzuführen. Und eine zu oberflächliche Betrachtungsweise war die Ursache für den 55-38-7 Mythos in der Rhetorik.

Leider gibt es noch eine Gemeinsamkeit von Spinat und Rhetorik! Trotz besseren Wissens haben sich diese Mythen beharrlich gehalten und werden teilweise auch noch von manchen Trainern so gelehrt. Daher ist es keineswegs verwunderlich, dass noch eine große Zahl der Rhetorik-Seminare auf die Außenwirkung ausgelegt sind – Performance, Infotainment und ein strahlender Auftritt!

Natürlich bestreitet niemand, dass die Faktoren Haltung, Mimik, Gestik und Stimme einen wichtigen Anteil an der Gesamtwirkung haben. Und ja, die eigene körpersprachliche wie auch stimmliche Wirkung kann durch Trainings verbessert werden. Doch es geht um viel mehr, nämlich um das stimmige Zusammenwirken Ihrer Inhalte, Botschaften, Gefühle und Intentionen! Deshalb werden Trainings
gebraucht, die neben dem „WIE“ auch das „WAS“ vermitteln.

Die Herausforderung?
Die Krux an der Situation ist, dass die Trainings damit scheinbar sehr viel aufwendiger werden und zwar für die Teilnehmer selbst wie auch für die Trainer. Aber eben nur scheinbar, denn das Komplizierte an einer guten Rhetorik ist, dass sie so einfach ist und auch bleiben soll! Um Fakten also verständlich und unterhaltsam zu übermitteln, braucht es neben dem „Wie“ (Art und Weise) ein stringentes und strukturiertes „Was“ (Inhalt und Schlüssigkeit).

Das „WAS“ auf dem Prüfstand
Möchten Sie mit Ihren Vorträgen und Themen begeistern, berühren, befähigen und bewegen? Mit der 4-be-Regel© können Sie ganz einfach Ihr Manuskript selbst überprüfen, weiterentwickeln und natürlich auch damit trainieren.

Begeistern:
 Was an Ihrem Thema begeistert Sie selbst und was kann andere begeistern?
 Laut ist out! Leise begeistern heißt: Gebe deinem Gegenüber mehr als er/sie erwartet – was ist das?
Berühren:
 Haben Sie Anekdoten und Erlebnisse, mit denen sich Ihr Publikum identifizieren kann?
 Haben Ihr Thema und die Absicht Ihrer Kernbotschaft auch mit dem Alltag Ihrer Zuhörer zu tun?
Befähigen:
 Haben Sie ausreichend merkfähige Aha-Erlebnisse , Beispiele und Vergleiche?
 Ist Ihr Inhalt gut recherchiert, nachvollziehbar und gut zu behalten?
 Ist Ihre Struktur und Ihre Kernbotschaft schlüssig und inhaltlich auf den Punkt gebracht?
Bewegen:
 Sind Ihre Ausführungen für andere verstehbar?
 Sind sie für Ihr Publikum sinnstiftend und bedeutsam?
 Sind Ihre Ideen von anderen auch real umsetzbar

Fazit: Lassen Sie sich also nicht verunsichern und auch nicht auf die Show-Fährte führen: Das, was Sie zu
sagen haben, ist und bleibt wichtig und für die Wirkung Ihres Auftritts von größter Bedeutung. Mit dieser
Ausrichtung werden Ihr natürliches Charisma, Ihre klare Persönlichkeit zu einer wahren Autorität – also Ihr
„WIE“ ganz von selbst und vor allem authentisch wirken.

Admin - 16:31 @ Rhetorik